Michael

IMHO: Agilität != Geschwindigkeit

Soeben habe ich mir diesen Artikel durchgelesen:

https://www.marktforschung.de/hintergruende/meinung/marktforschung/fast-lane-marktforschung-tuetensuppen-sind-kein-agile-food/

Ich würde mir wünschen, dass wir aufhören „schnell“ immer im gleichen Atemzug mit „günstig“ zu nennen. Ja, beides kann zusammengehören („good enough“ eben), muss aber nicht.

Interessant, dass auch dieser Artikel die immer wieder wahrgenommene Perspektive auf ‚die Agilität‘ aufzeigt, dass es scheinbar rein um Geschwindigkeit geht. Das ist – möglicherweise – ein Verständnis, dass aus dem Effizienz-Gedanken der Management Schule heraus auf die Agilität projiziert wird.

Tatsächlich geht es bei der Agilität in erster Linie nicht um Effizienz oder Geschwindigkeit. Effizienz auf Basis von Geschwindigkeit und Kostenreduktion ist wahrlich kein Erfolgsgarant für Agilität. Im Gegenteil. Hier werden bewusst Schleifen gefahren, bewusst Redundanzen aufgebaut, auf anstrengende und scheinbar zeitfressende Kommunikation gesetzt.

Entscheidend ist nicht der Fokus auf die Geschwindigkeit sondern auf die Reaktionsgeschwindigkeit, die mit agilen Haltungen und Prinzipien, entsprechenden Maßnahmen und einer guten Portion gesundem Menschenverstand erreicht werden kann.

Geschwindigkeit entsteht als Konsequenz im agilen Kontext, wenn

  • ein System etabliert wird, das Reaktionsgeschwindigkeit begünstigt, in dem Entscheidungen schnell und präzise an den richtigen Stellen und zur richtigen Zeit getroffen und auch wieder verworfen werden können
  • das wirklich zu lösende Problem angegangen und im Idealfall verstanden wird
  • der Lösungsraum mit diversen Perspektiven angereichert wird
  • möglichst das Richtige zur Lösung des Problems getan wird, also verdammt gut geplant und priorisiert wird
  • möglichst wenig getan wird, um ein Ziel zu erreichen (Maximize work not done)
  • hohe Qualität und Nachhaltigkeit gesichert ist, damit die Effizienz und Effektivität der nächsten Entwicklungsschritte nicht leidet
  • man sich zum größtmöglichen Prozentsatz mit der Wertschöpfung für Kunden (externe Referenzen) beschäftigt und nicht mit sich selbst (interne Referenzen)
  • und vieles vieles mehr.

Diese sich dadurch entfaltende Wirkung sorgt nicht nur für eine erfolgreiche und schnelle Softwareentwicklung; sie kann überall zum Einsatz und Tragen kommen, sogar in der Marktforschung.

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